Coaching ist besser als Training

(Vorsicht - Provokationen dienen der Diskussion) Das klingt aber nach Manipulation! Wirklich? Ich denke eher ehrlich, aber nicht ganz so politisch korrekt ausgedrückt. Eigentlich heißt es, wir unterstützen Menschen darin sich zu entwickeln oder wir helfen Menschen.... Aber jetzt mal ehrlich! Wenn jemand zu einem Seminar angemeldet wird oder sich aus eigenem Antrieb anmeldet, geschieht das, weil damit etwas bezweckt werden soll.

These: Jede Weiterbildung hat eine Veränderung von Menschen zum Ziel

Es geht darum zu Lernen und dann daraus etwas umzusetzen! Oder nicht? Ist es umgesetzt, sollte dadurch etwas besser sein als vorher ... vermutlich. D.h. eine Maßnahme sollte einen Unterschied produzieren zum Zustand davor, sonst lohnt sie sich nicht. Wieviel besser und ob es überprüfbar sein wird, darüber macht man sich meistens nicht so genaue Gedanken. Oder nach erfolglosen Versuchen wurde es aufgegeben, es messen zu wollen. Auch wenn gedacht wird, es bringt wahrscheinlich nicht viel, aber wir müssen für den Mitarbeiter auch mal was Gutes tun, so will man ihn zumindest motivieren. Damit würde man seinen Motivationszustand für eine Zeit verändern wollen.

Die fehlende Veränderung wird interessanter Weise gut festgestellt. Typische Aussagen machen die Grenzen und Erfolge von Trainings nämlich deutlich. 

  • "Er hat jetzt unsere Führungsreihe besucht und nichts passiert. Die Führungkraft soll endlich führen. Vielleicht ist er auch keine Führungskraft."
  • "Wir haben sie zum Konfliktmanagementseminar geschickt. Das ist ein halbes Jahr her. Es ist alles beim alten. Die Streitereien gehen einfach weiter."

Was leisten Training und Seminar? Sie vermitteln Informationen möglich interessant aufbereitet. Gute Trainer ziehen eine wirklich spannende Show ab. Das hat auch Unterhaltungswert. (Wenn ich richtig viel lernen musste im Studium, musste ich ziemlich viel pauken - alleine und ohne Show). Die Teilnehmer üben in Rollenspielen die Anwendung von Strukturen und Verhaltensweisen. Wenn alles gut läuft, können sie es hinterher auch praktisch. Aber ... zurück im Unternehmen tun sie es nicht. Dafür gibt es viele Gründe, weshalb der Erfolg von Trainings nur sehr begrenzt ist. Ein paar möchte ich beispielhaft nennen:

  • Die Teilnehmer haben Angst vor der Umsetzung und den Reaktionen. Wenn ich härter auftrete, lassen mich die anderen vielleicht hängen.
  • Ihre Umgebung im Unternehmen will mitunter keine Veränderung, weil der alte Zustand für sie besser ist. Will ein Mitarbeiter, dass sich seine Führungskraft ihm gegenüber durchsetzt?  Also boykottiere ich als Mitarbeiter die ersten zaghaften Versuche.
  • Oder ich lehne als Teilnehmer "Durchsetzen" wie im Seminar geübt ab, weil es meiner Wertvorstellung widerspricht. 
  • Die anderen Führungskräfte wollen gar nicht, dass ich nein sage, wenn sie wieder mal mir eine von ihren Aufgaben aufdrücken wollen.
  • Im Training wurde leider meine Situation nicht behandelt. Die vorgestellten Methode funktionieren hier nicht.

Wenn Sie möchten, dass "sich" wirklich etwas ändert, benötigen Sie eine individuelle Maßnahme. Als flotten Spruch höre ich dann vom Auftraggeber, "Zeigen Sie ihm mal wie das geht!"

An dieser Stelle sind die meisten mit ihrem Latein am Ende. Ein guter Coach nicht. Er geht davon aus, sein Kunde (Coachee) kennt theoretisch geeignete Verhaltensweisen, aber es fehlt ihm etwas es umzusetzen.  Als Coach muss ich ihn unterstützen einiges über sich herauszufinden.

 

An erster Stelle, welches Ziel genau möchte er/sie erreichen. Damit tun sich die allermeisten sehr schwer. Beim ersten Mal brauchen wir in der Regel fast eine halbe Stunde, bis ein klares, messbares Ziel vorliegt. Allein dieser Umstand zeigt schon, warum Trainings einen entscheidenden Schwachpunkt haben. Eine genau, individuelle Zielformulierung gibt es nicht. Damit ist nicht die Erwartungsabfrage z.B. zum Beginn eines Seminars gemeint. Bei der Formulierung des Ziels stossen wir ziemlich schnell auf die Hindernisse. Dadurch geht es oft erst darum die Hindernisse zu überwinden. Dies ist Teil der Veränderung. An dieser Stelle kommt oft der Wunsch nach persönlicher Veränderung. Der Kunde (Coachee) sieht dann woran es bei ihm hakt und stellt fest, er muss etwas ändern.

Nehmen wir das Beispiel, der Kunde hat Sorge, er wird zukünftig von Kollegen nicht mehr unterstützt, wenn er anders agiert. Im Coaching wird er sich der Angst oder Unsicherheit bewusst, plötzlich ohne Unterstützung da zu stehen - wenn er andere abweist, nein sagt, sich abgrenzt.  Möglicherweise zeigt er das Verhalten nicht nur in der Firma, sondern generell. Deshalb ist er auch so "beliebt". Das ist der Nutzen seines alten Verhaltens. Damit sind wir schon ziemlich am Kern der Thematik.

2. These: Für eine Veränderung im Verhalten muss sich auch die Person ändern!

D.h. mit einem veränderten Verhalten muss sich auch eine  Veränderung der Person vollziehen, sonst wird es nicht nachhaltig sein. Wird behauptet, es ginge nur um eine Veränderung des Verhaltens und nicht der Person, wird gelogen oder derjenige hat keine Ahnung, was dafür notwendig ist.

(Ziemlich dreist, was der Blogschreiber hier von sich gibt? Er meint, er wüsste alles besser.) Nicht alles, aber diesen Zusammenhang. Damit beschäftige ich mehr als mein halbes Leben.

Damit Veränderungen bei Menschen erfolgreich gelingen, ist ein Coaching in jedem Fall besser geeignet als ein Training. Coaching ist der gesamte Prozess. Von der Zielfindung, Hindernisse aufzuspüren, sie aufzulösen, den Menschen zu ermutigen, ihn bis zum Ziel zu begleiten - das kann nur ein Coaching.  

Zum Ausgangspunkt zurück. Wollen Sie eine Veränderung für sich oder Mitarbeiter erreichen, dann sollten Sie die Vorgehensweise gut abwägen. Seminare sind gut, um Informationen zu vermitteln, aber nicht um Veränderungen zu erzielen. Coaching hilft Veränderungen zu erreichen und langfristig stabil zu halten. Wenn Sie dabei vor allem aufs Geld schauen, kann billig sehr teuer werden und teurer die preiswertere Lösung sein.