Neuer Job - und die Karriere beginnt?

Ein qualifzierter Mensch hat "eigentlich" einen gut klingenden Job bei einem namhaften Unternehmen. Alles müsste gut sein. Doch dann läuft es schlecht und sie wollen nach gewisser Zeit nur noch weg. Was sagen sie oft selbst dazu?

"Es läuft nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich kann nicht so arbeiten, wie ich es mir im Vorstellungsgespräch dachte und wie es mir versprochen wurde. Man bremst mich aus, ich werde schikaniert, behindert .... Es gibt Intrigen gegen mich. .... Besser wäre, ich gehe und suche mir was Neues. Dann wird es wieder besser."

So oder ähnlich äußern sich die Betroffenen. Wenn sie es noch genauer schildern, was ihnen widerfährt, lässt sich ihr Wunsch nachvollziehen. Klingt nach einer Menge Schwierigkeiten. So gesehen kann es eigentlich nur besser werden. Ob das Unternehmen das in dem Moment auch so sieht? Immerhin stecken Unternehmen eine Menge Zeit und Ressourcen in ihre Suche, um die richtigen Mitarbeiter zu finden. Dagegen ist ihr Aufwand, einem neuen Mitarbeiter den Einstieg so leicht wie möglich zu machen i.d.R. sehr gering. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Oft genug merkt es jedoch keiner im Unternehmen. Das ist jedoch nur eine Seite, nämlich die des Unternehmens. 

Ebenso kann man auch vom Mitarbeiter auf die Thematik schauen. Es gibt viele Untersuchungen, die zeigen können Mitarbeiter Müller kommt in einer Firma A gut an und macht Karriere. In einer anderen Firma B bekommt er jedoch kein Bein an den Boden und gilt bald als Fehlgriff. Oder umgekehrt. D.h. die jeweilige Konstellation von Unternehmen, Job und Mitarbeiter  spielt für den Berufserfolg des Einzelnen schon eine Rolle. Deshalb ist es mitunter nicht verkehrt in einem solchen Fall einen Wechsel ins Auge zu fassen. Möglicherweise aber auch einfach nur intern auf eine Veränderung hinarbeiten. Dahinter steht die Theorie, verändert sich die soziale Situation - die Beteiligten, verändern sich für den jeweiligen Mitarbeiter seine Chancen und sein Ansehen.

Muss ich die Firma (Situation) ändern oder mich?

Aber!!! Es gibt auch Menschen, die schaffen es in jeder Firma Karriere zu machen. Sehr wahrscheinlich sind sie besser in der Lage sich auf die jeweiligen Gegebenheiten einzustellen. Wenn es so etwas wie die Fähigkeit gibt soziale Situationen zu analysieren und sich darauf einzustellen, so sind diese Menschen der positive Pol. Sie kennen sich selbst gut, erkennen die anderen und können sich darauf einstellen. Ebenso gibt es Menschen, die wechseln den Job, weil sie hoffen, dass es dann besser wird. Anfangs haben sie den Eindruck und die Hoffnung, es ist tatsächlich besser geworden. "...Endlich ein tatkräftiger und entscheidungsfreudiger Vorgesetzter, der mich unterstützt und hinter mir steht..." Nach gewisser Zeit stellt sich heraus, es ist eine vergleichbare Situation in grün wie zuvor. Mein Vorgesetzte zögert Entscheidungen heraus oder wirft sie immer wieder um. In brenzligen Situationen steht er nicht hinter mir, sondern zeigt auf mich. Als Coach habe ich bereits Kunden erlebt, die ständig vom Regen in die Traufe kamen. Bei jedem Wechsel dachten sie, jetzt ist es besser, bis sich das Gegenteil herausstellte. Es klingt analog zur Thematik, wenn man immer wieder auf die gleichen Partner hereinfällt. 

These: Es hat immer mit mir zu tun. 

Ob ich mir nun die fertige, schlechte Situation für mich unbewusst suche oder sie unbewusst durch mein Verhalten so gestalte, spielt keine Rolle.  Nehmen wir als Arbeitshypothese an, es gibt einen Anteil bei Ihnen, weshalb Sie sich immer wieder in solchen Situationen wiederfinden. Dann ... ja was dann?

Hierzu sagt eine interessante Theorie, jeder sucht sich unbewusst solange die soziale Situation aus, die er/sie noch lernen muss. Davor weglaufen wird nicht funktionieren, weil Sie selbst ohne es zu wissen, die Wiederholung suchen, bis Sie es beherrschen oder gelöst haben. Im Klartext. Auch wenn Sie bewusst darauf achten, nicht mehr einen entscheidungsschwachen Chef zu finden, der nicht hinter Ihnen steht, so findet Ihr Unbewusstes genau wieder einen solchen. 

Was soll das denn? Was soll ich für mich nicht gelöst haben?

Nehmen wir einmal an, die Entwicklung sozialer Kompetenzen und der eigenen Persönlichkeit geschehen dadurch, dass ich Entwicklungsschritte (Reifung) in meinem Leben vollziehe. Diese beruhen auf gemachten Erfahrungen. Erfahrung heißt, ich kann das Erlebte einordnen in eine Struktur. Ich erkenne zugrunde liegender Mechanismen, entwickle aktiv eine eigene Wertehierarchie (und übernehme nicht nur eine), erkenne mich selbst und kann dadurch auch die anderen erkennen. Klingt das abstrakt? 

Beispiel: Anerkennung, Lob, Leistung und Motivation. Ich kann früh im Leben lernen, wenn ich etwas gut leiste, bekomme ich dafür von anderen Anerkennung. Das ist ein schönes Gefühl und motiviert mich es wieder zu tun. Ich kann als Nächstes erkennen so funktioniere ich also. Dementsprechend kann ich mich auch selbst motivieren, wenn es mir schlecht geht. Ebenso kann ich erkennen, dass andere genauso funktionieren. Dementsprechend kann ich es einsetzen, um Beziehungen aufzubauen, andere zu motivieren usw. Soweit, so gut.

Was ist, wenn etwas nicht so gut läuft? Noch ein Beispiel:

Ich habe das Bedürfnis nach Anerkennung. Davon bekomme ich in frühen Jahren jedoch wenig. Der Hunger danach steigt. Ich entwickel ein übersteigertes Bedürfnis nach Anerkennung und brauche  es immer mehr. Mir selbst fällt das nicht auf. Weil ich so wenig bekam (nachahmen und lohnt nicht), gebe ich selbst auch wenig Anerkennung. Ich will immer mehr und gebe selbst wenig. Irgendwann verweigern mir auch die anderen im Erwachsenenleben ihre Anerkennung und ziehen sich zurück oder es gibt Streit. Mein Bedürfnis bleibt groß und unbefriedigt. (Geben und Nehmen muss sich immer in etwa die Waage halten. Auch eine Regel, die man lernen kann.). Ich kann versuchen es kaufen - mit Statussymbolen (mein Auto) und Geschenken (zu viel Gehalt) oder ich erbringe immer größere Leistungen. Das Bedürfnis bleibt jedoch unstillbar, da die anderen nie so mitspielen, wie ich es gerne hätte.

Dieses Beispiel ist sehr vereinfacht, um einen Wirkmechanismus aufzuzeigen, warum jemand in einer früheren Stufe der Entwicklung beim Wunsch nach Anerkennung hängen geblieben ist. Das Bedürfnis ist übersteigert, weil es in einer wichtigen Zeit nicht ausreichend erfüllt wurde. Solange er oder sie dort bleibt, ist es ein Hindernis im Umgang mit anderen.   

Das war jetzt ein auffälliges Beispiel. Die meisten Themen sind jedoch weniger sichtbar. 

Zurück zur Frage, muss ich die Firma ändern oder mich, um Karriere zu machen?

Meine Antwort:

Wenn ich mich veränder, ändern sich meine Chancen.

Wie die Chancen stehen, hat immer mit mir zu tun. Im derzeitigen Unternehmen wird es anders (besser) laufen, wenn ich mich verändere und gleichzeitig finde ich mit einmal ganz andere interessierte neue Unternehmen, die mich haben wollen. 

Die entscheidende Frage ist, wie kann ich das schaffen?

In dem ich mich mit mir und meiner Situation beschäftige. Ich muss Antworten auf viele Fragen finden:

  • Welche Konstellation macht mich unzufrieden?
  • Was hätte ich gerne anders?
  • Was steht dahinter für ein Bedürfnis?
  • Warum ist mir das so wichtig?
  • Habe ich das in anderen Situationen auch schon erlebt?
  • Mit wem agiere ich?
  • Was brauchen und wollen die anderen?

Viele Fragen zielen auf Bedürfnisse ab. Sie orientieren sich sehr am obigen, vereinfachten Beispiel. D.h. nicht, dass immer das Modell einer nicht abgeschlossenen Entwicklungsstufe ausschlaggebend ist. Es ist relativ schwierig über sich selbst nachzudenken und die Ursachen für ein immer wiederkehrendes Problem zu finden. Dafür fehlt uns oft die Distanz zum Thema und unser Unbewusstes verhindert es Licht ins Dunkle zu bringen. Deshalb ist ein Außenstehender hilfreich, weil er/sie dies anders sehen kann.