Coaching oder 4-Augen Gespräch?

Vielfach besteht die ausgesprochene Ansicht, ein Gespräch unter vier Augen, in dem der eine (Coach) dem anderen (Coachee) Tipps gibt oder zu etwas rät ist ein Coaching. Auf diese Art wird fast alles mit dem Etikett Coaching versehen. Doch Dies ist die falsche Bezeichnung für solche Gespräche.

Was unterscheidet dann also Coaching von einem normalen Gespräch. Dazu muss die Frage gestellt werden, warum fällt es meistens so schwer etwas zu ändern oder eine neue Lösung für ein Thema zu finden. Würde ein Gespräch mit Tipps und Ratschlägen helfen, hätten dem Coachee wahrscheinlich schon all die früheren Gespräche helfen können, die er mit Freunden, Bekannten, Vorgesetztem oder Partner geführt hat. Oder eines der vielen und wertvollen Bücher, die es zu jedem Thema gibt.

Ein Unterschied im Coaching zu einem Gespräch ist demnach die Zielsetzung. Es geht nicht darum zu sagen, wie er etwas tun sollte, sondern dem Coachee aus seinen gewohnten Denkgewohnheiten zu holen. Der Anfang besteht darin das gewünschte Ziel genauer zu hinterfragen. Was möchte der Coachee erreichen? Zum zweiten ist der Auftrag an den Coach zu klären. Was erwartet er von seinem Coach?

Eine der größten Falle für den Coach besteht darin einen nicht passenden oder unerfüllbaren Auftrag anzunehmen. Oder anzunehmen er hätte eine Auftrag für etwas, was der Coachee nicht gesagt hat. Er könnte z.B. aufgrund seiner Erfahrung denken, dass es für den Coachee sicher sinnvoll sich in bestimmter Hinsicht zu ändern. Und schon nimmt er ihn an die Hand. Manchmal äußert der Coachee genau dies. „… Ich möchte, dass Sie mir sagen, was ich tun soll …“. Die Versuchung liegt darin das zu tun, weil es dem eigenen Expertenstatus schmeichelt oder man jemandem gerne helfen möchte und daraus die eigene Genugtuung zieht o.a.

Aber was spricht dagegen, dass man als Coachee genau das tut, wenn es der Coachee doch gerne möchte? Der Coachee gibt damit dem Coach die Verantwortung und ist im Falle des Scheiterns wieder mal fein raus. Das klingt jetzt absichtlich etwas überspitzt. Und doch kann dies ein Motiv des Coachees sein, um sich schon im voraus eine Entschuldigung für ein „Scheitern“ zu recht zu legen nach dem Motto „… ich habe auf einen erfahrenen Coach gehört und trotzdem wurde es nichts…“.

Damit kommen wir zu einem zentralen Unterschied zwischen einem Gespräch mit Ratschlägen und Coaching. Die Verantwortung für das eigene Ziel, Lösungsideen und die Umsetzung der Veränderung liegt beim Coachee und sollte da auch bleiben. Egal wie groß unser Helfer- oder Expertenego als Coach ist, wir dürfen uns nicht in Versuchung führen lassen, dem Coachee diese Verantwortung zu nehmen.

Coachees sind erwachsene Menschen mit Ressourcen, von denen der Coach sicher nur einen Bruchteil kennt. Ebenso gehe ich davon aus, dass der Coach das Thema des Coachees nur in Ansätzen verstehen wird und wenn auf eine andere Weise als der Coachee selbst. Diese andere Perspektive kann eine Bereicherung für den Coachee sein, muss aber nicht Die richtige Lösung sein.

Gerade das anders sein und denken des Coaches ist ein wesentlicher Teil für die Lösung. Der Coachee wird versuchen Lösungen für sich aus den anderen Strukturen des Coaches zu entwickeln. Nicht der Coach sollte versuchen, sich dem Coachee soweit anzupassen, dass er ihn vollkommen versteht und für ihn die richtige Lösung findet.

Die Verantwortung des Coaches ist dagegen klare Trennlinien zu ziehen.

  1. Was ist das Ziel des Coachings?
  2. Welchen Auftrag hat der Coachee für den Coach?
  3. Will der Coach diesen Auftrag annehmen, weil er sich dafür in der Lage sieht?

Ein wesentlicher Unterschied sind also klare Rollenverteilungen. Der Coach hat die Verantwortung für die Struktur und dafür neue Perspektiven und Veränderungen beim Coachee zu erzeugen, aber nicht für Ziele und Inhalte. Das liegt ganz beim Coachee. Auf keinen Fall ist Coaching jemanden etwas bei zu bringen, ihm zu sagen wie der Hase läuft oder ihm zu raten etwas Bestimmtes zu tun.